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Misserfolg – die innere Dehnung

Wenn wir uns mit großem Engagement für eine Sache einsetzen, und wenn diese Sache dann nicht den gewünschten Erfolg hat, dann ist es schwer dies auszuhalten.

Mit Aushalten meine ich nicht nur, es zu akzeptieren. Ich meine damit, ganz bei der Sache zu bleiben und genau zu fühlen, welche Regungen nun durch einen hindurch ziehen. Wir neigen dazu, uns im Misserfolgsfall innerlich abzuwenden, denn das macht die Situation (scheinbar) erträglicher. Wir versuchen, es so schnell wie möglich zu vergessen und uns anderen Dingen zuzuwenden.

Aber was passiert, wenn wir ganz bewusst bleiben? Wenn wir jeden Moment dieser Situation ganz bewusst in uns erleben? Es zeigt sich dann, dass wir dadurch etwas Wundervolles erleben. Wir müssen uns plötzlich nicht mehr verstecken, sondern wir können im Angesicht des Misserfolgs innerlich wie äußerlich genau so aufrecht bleiben, wie wir es im Erfolgsfall sein würden.

Einen Misserfolg zu erleben signalisiert nämlich eines: Wir haben etwas unternommen. Nur wenn man nichts unternimmt, kann man Misserfolge ausschließen. Sobald man sich mit einem Engagement aus der Komfortzone hinaus begibt, gerät man in Gefahr einen Misserfolg zu erleben.

Und was sagt uns das aus? Es sagt nicht mehr und nicht weniger, als dass diese Sache, auf diesem Weg, an diesem Ort nicht funktioniert. Und danach ist man schlauer. Oder auch nicht. Denn nun gilt es herauszufinden, ob die Sache, der Weg oder der Ort das nächste Mal besser gewählt werden müssen.

Und wenn man es geschafft hat, sich dem zu stellen, ohne Ausflüchte, ohne Schuldzuweisungen, ohne Verzerrungen des Selbstbildes, dann geht man gestärkt aus dieser Situation heraus, Dann ist es, was es ist: Eine wertvolle, kostbare Erfahrung, geeignet uns einen Blick über den eigenen seelischen Tellerrand zu ermöglichen.

Ich empfinde Misserfolge wie seelisches Fitnessstudio. Man muss sich innerlich dehnen, weit machen, Nur so kann man die Essenz dieser Lebenserfahrung in sich aufnehmen. Man kann hinfühlen, sich hinein versetzen, durchdenken…..und weiter gehen. Nicht das Aufhalten beim Misserfolg ist das Ziel, sondern das Wahrnehmen und das Integrieren der Erfahrung. Dann bleibt es das, was es immer war: Etwas, das uns kräftig, befähigt und mutiger macht.

 

Tag 8 und 9 der Challenge

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Ein weiterer wichtiger Punkt, der mir in den letzten Tagen bewusst geworden ist:

Es ist wichtig, aufzupassen, dass man sich nicht vom eigentlichen Ziel ablenken lässt!

Gerade als Freiberufler unterliegt man immer wieder der Gefahr der „Gelegenheiten“. Wenn ich mein Ziel gerade mal fokussiert habe, kommt mit ziemlicher Sicherheit etwas herein, das mir näher, greifbarer als mein eigentliches Ziel erscheint. Das führt dann regelmäßig dazu, dass ich mich ablenken lasse. „Schließlich bin ich ja sowieso noch so weit von meinem eigentlichen Ziel entfernt, dann kann ich auch noch einen kleinen Umweg einlegen“, denke ich mir dann. Aber aus diesem kleinen Umweg wird nicht selten ein kleiner Irrweg und ich brauche sehr lange, bis ich wieder zu meinem Ziel zurück gefunden habe. Dann schaue ich erstaunt auf die letzten Wochen und frage mich, wie das passieren konnte, dass ich so lange nicht an meinen eigentlichen Dingen gearbeitet habe.

Deshalb schreibe ich mein Ziel nun mehrmals die Woche auf. In meinem Fall lautet das: Ich werde in diesem Jahr zwei Bücher fertig schreiben und bei Amazon einstellen.

Wie sieht es mit Deinen Zielen aus?

Bist Du auf dem Weg dahin, oder hast Du Dich auch von der „Falle der günstigen Gelegenheiten“ ablenken lassen?

Bei seinen Zielen zu bleiben, erfordert Mut

Für mich ist der größte Verhinderungsfaktor, meine verdammt Angst vor Misserfolg. Dabei habe ich schon viele Misserfolge erlebt und vor allen Dingen auch überlebt. Aber gerade bei meinen Herzens-Zielen steht mir diese Angst vehement im Weg. Was, wenn ich die Dinge, die mir so unglaublich wichtig sind, nicht schaffe? Das weckt in mir ein wenig das Gefühl, als hätte ich dann mein ganzes Leben vergeigt.

Aber ist es in Wahrheit nicht so, dass man sein Leben nur dann vergeigt, wenn man nicht versucht hat, das zu tun, was man immer tun wollte? Der heimliche Gedanke, dass man an seinem Traum festhalten kann, wenn man sich nicht in die Gefahr des Misserfolgs begibt, ist bei genauer Betrachtung ein schwacher Trost. Aber genau diese Motivation spüre ich. Wenn ich so weitermache wie bisher, kann ich mein ganzes Leben lang denken, dass ich eigentlich eine begnadete Schriftstellerin gewesen wäre, wenn ich es denn getan hätte. Wenn ich es wirklich tue, muss ich vielleicht eines Tages feststellen, dass ich gar nicht das Zeug dazu habe.

Da wären wir wieder beim Realitäts-Check. Meine Zielsetzung ist nun, wirklich der Realität ins Auge zu schauen und mich zu stellen. In erster Linie muss ich mich dabei mir selbst stellen. Niemand wird mich so sehr verurteilen, wie ich es selbst tun würde.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt, ist: Wie definiere ich Erfolg (in meinem Fall in der Schriftstellerei) wirklich?

Wird er sich an der Anzahl der fertigen Bücher messen? An den Verkaufszahlen? Bislang bin ich da etwas schwammig geblieben. Auch ein Trick des Unterbewusstseins, um mir noch eine Hintertür zu lassen. Aber so funktioniert das nicht.

Meine Aufgabe für den heutigen und morgigen Tag ist: Wie definiere ich Erfolg ganz konkret im Hinblick auf meine Herzens-Ziele?

Wie definierst Du Deinen ganz persönlichen Erfolg?

Tag 4-7 der Challenge

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Auch wenn ich nicht täglich darüber geschrieben habe, hat sich auf meinem Weg durch die Challenge Einiges für mich verändert. Erst dachte ich, ich mache einfach nur Commitments mit mir selbst, damit ich etwas zu berichten habe.

Aber im Lauf der letzten Tage hat sich allerhand Neues heraus kristallisiert. Ich schreibe ja schon seit vielen Jahren. Aber meist nur die ersten zwei Drittel eines Buches. Dann breche ich ab und fange ein Neues an. Warum? Ich habe in den letzten Tagen intensiv darüber nachgedacht. Wahrscheinlich, weil ich den Realititäts-Check fürchte. Meine Anforderungen als Viel-Leser sind immens hoch. Und immer wieder komme, bzw. kam ich an einen Punkt, wo ich mein Geschriebenes so sehr in Frage stellte, dass ich lieber abgebrochen habe, statt einfach zu Ende zu schreiben.Damit ist jetzt Schluss!

Die Quintessenz aus meiner (noch nicht beendeten) Challenge lautet:

Ich schreibe jetzt eines nach dem anderen dieser Bücher fertig. Ich nutze das Amazon KDP Programm und stelle sie einfach ins Netz. Dazu habe ich mir in den letzten drei Tagen einen detaillierten Plan ausgearbeitet.

Ich muss täglich 1500 Wörter schreiben

Ich darf kein neues Buch beginnen, bevor nicht eines der alten fertig ist.

Ich akzeptiere auch Misserfolge

Ich nehme mir nicht vor, den zweiten Harry Potter zu schreiben, sondern akzeptiere, dass jedes fertige Buch bereits ein Erfolg ist. Wenn es dann noch der eine oder andere lesen möchte, umso besser.

Die Krux mit den hohen Erwartungen an sich selbst

Ich vermute, dass das die Hauptblockade ist: Wir stellen zu hohe Erwartungen an uns selbst. Es gibt immer einen, der unser geplantes Projekt schon viel besser gemacht hat.

Aber wenn wir nicht dran bleiben, dann werden wir auch nie richtig gut werden. Diejenigen, die Riesenerfolge eingefahren haben, mussten ebenso an sich arbeiten. Sind auch durch die Täler der Selbstzweifel und Misserfolge gegangen. Und eines Tages – meist als sie gar nicht mehr damit gerechnet haben – kam der Erfolg.

Erfolg ist das Ergebnis von Arbeit und Inspiration

Es träumt sich so schön vom Erfolg über Nacht. Aber bei genauer Betrachtung hatte niemand wirklich Erfolg von heute auf morgen. Weil ich das Beispiel Harry Potter oben schon genannt habe. J.K. Rowling hat Jahre einsam vor sich hingeschrieben. Sie hat Unmengen Absagen von Verlagen und Agenten erhalten. Aber sie ist dran geblieben. Das waren harte, entbehrungsreiche Jahre.

Was uns von den Medien immer wieder erzählt wird, ist die Geschichte, wie J.K. Rowling im Zug saß und plötzlich die ganze Story vor ihrem geistigen Auge erschien. Das glaube ich gerne. Was aber öfter nicht erwähnt wird, ist die Zeit zwischen diesem Moment und dem Moment des Erfolgs, der ja erst nach dem Erscheinen des dritten Bandes so richtig in Erscheinung trat. Dazwischen lag Arbeit: Wort für Wort, Korrektur für Korrektur….

Das ist bisher die Quintessenz meiner Challenge: Ich werde schreiben. Tag für Tag, Wort für Wort. Und wenn es nur ist, damit ich mit eines Tages nicht den Vorwurf machen muss, dass ich es nicht einmal ernsthaft versucht habe.

Ich wünsche Euch weiterhin einen schönen Sommer und melde mich spätestens am Mittwoch, dem zehnten und letzten Tag meiner Challenge wieder.