Das Staunen der Kinder

Kinder können staunen. Sie können mit ganz offenem Blick etwas betrachten und sind für Momente völlig an diesem Moment hingegeben.

Wann haben wir das letzte Mal gestaunt? 

Staunen zu können ist eine Gnade. Es holt uns für einen Moment aus dem Alltagsmodus, Wenn wir staunen, sind wir uns bewusst, dass es etwas Größeres gibt, als wir sind.

Worüber können wir staunen?

Genau genommen gibt es fast nichts, worüber man nicht staunen könnte. Die ganze Welt um uns herum ist voller Phänomene, die uns staunen lassen könnten, wenn wir es nur zuließen. Wer versteht denn wirklich, wieso eine Pflanze wächst, wie sie wächst? Wer versteht das Internet bis in seine Tiefen? Wer versteht denn, wie Sprache entstanden ist? Wer versteht das Verhalten von Tieren und deren siebten Sinn? Im ersten Moment sind wir meist versucht zu behaupten, dass wir all diese Dinge verstehen. Einen Teil davon haben wir ja in der Schule gelernt. Aber in Wahrheit kratzt unser Wissen gerade mal die Oberfläche.

Genau genommen wissen wir nicht einmal genau was passiert, wenn sich ein Stück Zucker in einer Tasse Kaffee auflöst und warum dieser dann süß schmeckt.

Wenn wir bereit sind, unser vermeintliches Wissen einmal ganz zur Seite zu stellen und uns auf die großen und kleinen Wunder in unserem Leben konzentrieren, wenn wir die Dinge, die wir meist automatisiert tun, einmal ganz neu zu betrachten lernen, dann kommen wir in den Bereich des Staunens.

Unser abgeklärtes Denken verhindert, dass wir Inspiration und Idee aus ganz Alltäglichem schöpfen. Wenn wir es zulassen, die Dinge aus Kinderaugen zu betrachten, sind wir wahrscheinlich näher an der Wahrheit als mit all unserem vermeintlichem Wissen.

Aristoteles hielt das Staunen für den Beginn der Philosophie. Für Platon war das Staunen überhaupt der Anfang aller Philosophie. Wenn wir im scheinbar Alltäglichen die Wunder der Welt entdecken, sind wir mitten in der Philosophie.

Warum sollten wir uns nicht vornehmen, jeden Tag mindestens einmal zu staunen? 

Über den Sternenhimmel, der uns ein Bild aus längst vergangenen Tagen zeigt

Über die wunderbare Orange, die von Natur aus so mundgerechte Stücke liefert

Über das blütenweiße Papier, das früher mal ein Baum war

Über die Schneeglöckchen, die gerade im Moment aus der Erde schlüpfen

Über Löwenzahn, der selbst Asphalt sprengen kann…..etc.

Es gibt tausend Gründe zu staunen. Wenn wir es verlernt haben sollten, lassen wir doch unsere Kinder unsere Lehrmeister sein. Ersparen wir uns einmal am Tag unsere klugen Erklärungen, sondern lernen wir das Staunen neu von unseren Kindern.

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