Bleibendes schaffen und innerer Widerstand

Bleibendes schaffen

Manchmal hilft es im Mütteralltag, etwas Distanz zu gewinnen und sich zu überlegen, womit wir etwas Bleibendes schaffen. 

Was schafft Bleibendes?

Alles, was wir für unsere Kinder tun, schafft Bleibendes. Ich denke, darüber gibt es keine Diskussion. Alle Werte, alle Geborgenheit, alle Rituale und Rhythmen, die wir unseren Kindern angedeihen lassen, sorgen dafür, dass sie später gesunde Anhaltspunkte haben, wenn sie ihren eigenen Lebensplan entwerfen müssen.

Haushalt führen als Kunst und Lebensgrundlage

Sogar und gerade die Arbeit im Haushalt schafft Bleibendes. Ganz häufig erledigen wir Dinge im Haus mit dem Gefühl, dass dies langweilige und öde Tätigkeiten sind, die eben mal schnell – zwischen den wichtigen Dingen – zu tun sind. Dabei vergessen wir leicht, dass gerade das Gefühl, ein behagliches Zuhause zu haben, die Grundlage unseres Selbstwertes in der Welt ist.

Hausarbeit überdenken und ein neues Bewusstsein entwickeln

In Wahrheit ist Hausarbeit Kunst – Lebenskunst. Jedes gelungene Essen ist ein Kunstwerk, jedes schön gestaltete Zimmer ebenso. Einen Garten anzulegen und zu pflegen ist Kunst. Diese Dinge haben in Wahrheit einen hohen Stellenwert für unser Wohlbefinden und das unserer Familie. Und doch fühlt es sich oft an, als würde man sich stets im Kreis drehen, weil die Kunstwerke, die man schafft nicht lange haltbar sind.

Das Essen, das man liebevoll zwei Stunden lang gekocht hat, ist innerhalb einer halben Stunde verzehrt. Die Ordnung, die man geschaffen hat, wird innerhalb kurzer Zeit wieder in Unordnung verwandelt. Der Schrank mit den schön gebügelten Kleidern wird in kürzester Zeit wieder geleert und die Kleidung findet sich erneut im Wäschekorb.

Wie kann man trotzdem das Gefühl, Kunst zu schaffen, erhalten?

Ich denke, dass es wichtig ist, das Zuhause als ein dynamisches, ein pulsierendes Kunstwerk zu betrachten. Es ist das Bild, das niemals fertig gemalt sein wird. Aber zwischendurch gibt es Stadien, da ist es nahezu vollendet. Da sitzt die Familie am liebevoll gedeckten Tisch und alle greifen herzhaft zu. Diese Momente müssen wir in unserem Kopf verankern. Sie helfen uns über die Momente hinweg, in denen die Kinder das Essen angewidert beiseite schieben.

Und die Momente, in denen die Wohnung blitzt und blinkt müssen ebenso im Gedächtnis verankert werden, weil sie uns über die Stadien, in denen das ganze Haus aussieht, als sei ein Geiselbefreiungskommando hindurch gestürmt, hinweg helfen.

Die Arbeit zuvor war nicht vergeblich. Aber sie ist eben nicht von Dauer. Wir können das täglich beklagen, oder wir können uns in den Fluss der Dynamik hinein stellen.

Stille Resignation versus die Lust am Er-schaffen

Viele Male räumt man die Wohnung in stiller Resignation auf. An manchen Tagen sogar mit unverhohlener Wut. Dabei kann man es ebenso gut als tägliche Meditation betrachten, dass man alles wieder an den Platz zurück stellt, an den es gehört. Die Arbeit bleibt die Gleiche, was sich ändert, ist das Gefühl, das man dabei hat. Die Resignation und die Wut weichen der Lust Ordnung zu er-schaffen.

Die Aufgaben mit einem liebevollen Blick betrachten

Den Tatsachen ist es egal, mit welchem Blick wir sie betrachten. Aber für unser Befinden ist es nicht egal, ob wir unsere täglichen Routinen mit guter Laune und dem Verständnis eines Künstlers erledigen. Wir können die Dinge wütend auf ihren Platz pfeffern, ebenso wie wir sie liebevoll dahin stellen können.

Der einzige Feind ist der innere Widerstand

Innerer Widerstand macht Arbeit mühsam. Und das betrifft jede Form von Arbeit. Ob wir unsere Erwerbsarbeit oder unsere Hausarbeit mit innerem Widerstand machen – immer wird sie dadurch anstrengend. Innerer Widerstand ist wie Kaugummi. Er ist klebrig und behindert uns in unserem Tun.

Wie kommt man gegen den inneren Widerstand an?

Es ist sinnlos, den inneren Widerstand bekämpfen zu wollen. Dadurch wird er nur noch zäher. Viel einfacher ist, ihn zu fühlen und zu akzeptieren. Das ist fast wie Magie. Akzeptanz löst inneren Widerstand auf. Sobald wir erkannt haben: „Aha, da ist Widerstand spürbar“ und uns nicht dagegen wehren, sondern ihn einfach nur erkennen und akzeptieren, ist er nicht mehr da.

Ohne inneren Widerstand gehen die Dinge schnell und leicht von der Hand

Und plötzlich geht alles leicht, räumt sich das Wohnzimmer fast von selbst auf, wandert das Geschirr fast von selbst in den Geschirrspüler….. Es ist eine Form der Alltagsmagie, wenn wir uns erlauben, Dinge mit Leichtigkeit, mit Freude und mit dem Bewusstsein zu erledigen, dass sie nicht von langer Dauer sein werden. Schließlich können wir auch akzeptieren, dass unsere Blumen nur kurz blühen – dafür aber immer wieder.

Das Paradoxon, dass das Bleibende so vergänglich ist

Es wirkt nun paradox, wenn man gerade die vergänglichsten Dinge als das Bleibende betrachtet. Auf den ersten Blick erscheint es so. Aber vergänglich sind nur die Details. Das große Ganze – das Zuhause unserer Familie und das, was unsere Kinder davon als Erinnerungen mit ins Leben nehmen, ist das Bleibende. Es bleibt die Erinnerung an knisterndes Feuer und Bratäpfel, an Wärmeflaschen in einem kuscheligen, duftenden Bett, an Sonntagskuchen und an Fürsorge. Es bleibt der Sinn für Ästhetik und es bleibt das Gefühl wirklich willkommen gewesen zu sein.

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