Die Frage mit der Selbstdisziplin

Ich werde immer wieder gefragt, wie das denn sei, wenn man freiberuflich und selbständig arbeitet? Setzt man sich dann wirklich hin und arbeitet, oder macht man dann tausend andere Dinge, statt sich um seine Arbeit zu kümmern?

Ich weiß von vielen anderen Freiberuflern, dass sie Probleme damit haben. Und auch ich habe öfter Probleme damit. Und zwar immer dann, wenn ich etwas machen muss, das ich eigentlich nicht will. Der absolute Overkill ist bei mir die Buchhaltung. Einmal im Quartal entwickle ich mich zum Weltmeister der Prokrastination. Da mache ich die unsinnigsten Dinge, nur um nicht zum Stapel Papier greifen zu müssen.

Aber wenn ich die Dinge tue, die mich wirklich interessieren und die ich wirklich gerne tue, dann setze ich mich sofort in der Früh an den Schreibtisch und bleibe dort bis am Nachmittag.

Und da liegt das Geheimnis: 

Als Freiberufler sollte man so viele Dinge wie möglich tun, die Spaß machen. Denn nur mit denen kann man erfolgreich sein. Meine persönliche Motivation ist die, dass ich mir vorgenommen habe, jemanden damit zu beauftragen, meine Buchhaltung zu machen. Das ist besser für mich, für den Steuerberater und für die Welt.

Dafür muss ich aber meine Produktivität erhöhen, denn es muss sich ja rechnen.

Daher sollte sich jeder Mensch – ob Freiberufler oder nicht –  fragen, was die Dinge sind, die er gerne und ohne (innerlich) zu Murren macht.

Bei mir ist es das Verfassen von Texten, die etwas mit mir und meinen Interessen zu tun haben. Da ich aber noch nicht so gesegnet bin, dass ich davon schon leben kann, muss ich auch noch Texte verfassen, die mit mir sehr wenig zu tun haben und die mich nicht wirklich inspirieren. Durch die muss ich mich auch eher durchquälen. Das ist für mich der Preis der Freiheit.

Aber sind wir ehrlich:

Selbst in Herzens-Projekten gibt es Plateaus, die sich eher mühsam gestalten. Auch da muss man durch. Es ist immer nur die Frage, welchen Prozentsatz nimmt das Mühsame ein, und wie viel Inspirierendes und Motivierendes darf ich tun.

Ich bemühe mich darum, den Prozentsatz des Inspirierenden und Motivierenden zu steigern. Das ist für mich der Gewinn an Lebensqualität durch die Selbständigkeit.

Ich habe die Möglichkeit, mich an den Punkt zu arbeiten, an dem ich im Großen und Ganzen meine Lebenszeit und meine Energie nur noch für Dinge einsetzen muss, die etwas mit mir und meiner Vision zu tun haben. Aber bis dahin muss ich mich immer wieder in Selbstdisziplin üben. Manchmal fällt es mich leichter, manchmal schwerer. Und an manchen Tagen habe ich sogar das Gefühl, gar nichts geschafft zu haben.

Interessanterweise stellt sich aber gerade nach solchen Tagen oft heraus, dass sie mich insofern weiter gebracht haben, als ich durch das Heraustreten aus dem Alltag auf neue Gedanken gekommen bin.

 

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