Hommage an die Wahrheit

Wenn wir unser all-tägliches Leben durchforsten, finden wir eine Menge Momente, in denen wir nicht die absolute Wahrheit sprechen. Ich meine damit nicht das rücksichtslose Herausposaunen der momentanen Befindlichkeit, sondern das genaue Hinspüren, bevor wir auf eine Frage antworten oder etwas erzählen. Meist steckt nichts Böses hinter den kleinen Unwahrheiten, sondern wir verbiegen die Wahrheit so, dass unsere Aussage ein wenig mehr unseren Zielen dient. Oft wird die Wahrheit leicht verbogen, um zu manipulieren. Das klingt böser als es ist. Jeder tut es. Aber wie geht es uns wirklich damit?

Alte Erfahrungen als Referenzbeispiele

Schon bevor wir etwas aussprechen, denkt unser Hirn in verschiedene Richtungen. Wie wird unser Gegenüber diese Mitteilung auffassen? Wird diese Mitteilung für mich negative Konsequenzen haben? Wie kann ich meine Mitteilung so transportieren, dass es sich für alle etwas besser anfühlt? Wie kann ich mein Gesicht bestmöglich wahren?

Dabei sind alle diese Überlegungen nur Mutmaßungen. Wir wissen es zu diesem Zeitpunkt nicht, wie der Andere auf unsere Mitteilung reagieren wird. Wir nehmen frühere Erfahrungen als Referenzbeispiele und modifizieren sie auf die jeweilige Situation.

Die ganz eigene Kraft der Wahrheit

Und eines lassen wir dabei außer Acht. Die Wahrheit hat eine ganz eigene Kraft. Wie durch ein Wunder lässt sie Barrieren zwischen Menschen fallen, weil der Andere die Kraft der Wahrheit spürt. Es kommt etwas Spirituelles zwischen zwei Menschen, wenn sie sich nicht manipulieren. Die absolute Wahrheit gibt Beiden die Möglichkeit, sich ganz zu zeigen. Zu zeigen, wie man wirklich ist. Die Wahrheit auszusprechen bedeutet, dem Anderen zu vertrauen. Daher ist die Wahrheit ein Geschenk an den anderen Menschen und an die Welt.

Hauptgrund: Angst vor Ablehnung

Der Hauptgrund, warum wir der Welt dieses Geschenk so oft vorenthalten, ist Angst. Die Angst davor, abgelehnt zu werden, wenn wir zeigen wie wir wirklich sind. Und jedes Mal, wenn wir die Wahrheit ein wenig verdrehen, erzeugen wir in uns Stress. Denn wir müssen uns all diese kleinen Variationen merken, um beim nächsten Gespräch daran anzuknüpfen. Wenn wir die reine Wahrheit sprechen, ersparen wir uns diesen Stress. Wir müssen uns nichts merken, sondern können im nächsten Gespräch an den mystischen Moment der Wahrheit und der Offenheit wieder anknüpfen.  So entsteht Intimität, Raum für essentielle Gespräche, echtes Verstehen, Authentizität. Und suchen wir das nicht alle? Dazu bedarf es des kleinen Quentchens Mut, damit zu beginnen.

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